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Ranzin

Vorpommern

 

Die ältesten Zeugen der Familie "von Horn" in Ranzin sind die in der dortigen Kirche vorhandenen Grabplatten, datiert aus den Jahren 1315, 1357 und 1407 (Bilder unten). Zumindest seit dem 14. Jahrhundert befand sich das Gut ganz oder in Teilen in ihrem Besitz.

Die Familie verkaufte das Gut im Jahr 1845, nachdem sie insgesamt über 500 Jahre auf Ranzin und den umgebenden Gütern gelebt hatte.

Das alte Gutshaus ist im Jahr 1875 abgebrannt, ein neues wurde wenige Jahre später errichtet, heute Schloss-Ranzin und ein Hotel (Link und Bild unten).

 

The "von Horn" family (auf Ranzin)was first mentioned in one of the gravestones, placed in the church of Ranzin (dated from 1315, 1357 and 1407, see pictures below).

The family sold the manor in 1845, so the family lived more than 500 years in Ranzin and the surrounding manors.

The original manor house burnd down in 1875, a new one is build a few years later, called Schloss-Ranzin, now a nice hotel (see link and picture below)

 

 

Die Geschichte des Ortes und der Familie ist hervorragend dokumentiert in dem Buch 775 Jahre Ranzin - Ein Lesebuch. Gemeinde Ranzin aus dem wir mit der freundlichen Genehmigung der Autoren einige Kapitel hier veröffentlichen möchten:

 

Die Horn'schen Steine und ein Turmhügel

 

In der Kirche zu Ranzin befinden sich drei Grabplatten von Angehörigen der Familie Horn.

 

Die älteste stammt aus dem Jahre 1315 und trägt folgende gut leserliche Umschrift in Großbuchstaben (Majuskeln); (die eingeklammerten Buchstaben sind ergänzt):

AN(N)O D(OMI)NI M CCC XV D(OMJ)NICA AN(TE) LVCIAE O(BJIT) D(OMI)N(U)S MICHAEL HORN MILES

Nach GESTERDING (Genealogien) und KOSEGARTEN (Baltische Studien 1847) ist diese Inschrift wie folgt zu interpretieren:

Anno Domini MCCCXV Dominica ante Lucie obiit Dominus Michael Horn miles.

(Im Jahre des Herrn 1315 Dominica ante Lucie (7. Dezember) verstarb Herr Michael Horn, Ritter)

GESTERDING (Genealogien ...) nimmt diesen Michael Horn als Stammvater des Horn'schen Geschlechtes an. Die Inschrift auf der Grabplatte lautet korrekt "Michael", nicht "Michel", wie GESTERDING in seinen "Genealogien ..." anführt.

 

Die Inschrift auf dem zweiten Stein aus dem Jahre 1357 ist im unteren Teil undeutlich und lautet nach GESTERDING vollständig:

ANNO D(OMI)NI MCCCLVII FERIA TERTIA POST FESTUM NATIVITATIS MARIE O(BIIT) MICHEL HORN

(Im Jahre des Herrn 1357 am Dienstag nach dem Fest Maria Geburt (2. September?) verstarb Michel Horn.)

 

Die dritte Platte aus dem Jahre 1407 ist in der Mitte zerbrochen, insgesamt sehr uneben und mit teilweise kaum leserlicher Schrift. Nach GESTERDING lautet die vollständige Inschrift in Kleinbuchstaben (Minuskeln):

anno dn mccccvii in die ascensionis bened marie moritur dn michel Horn famulus orate pro eo.

(Im Jahre des Herrn 1407 am Tage Maria Himmelfahrt (6. August?) starb Herr Michel Horn, Knappe (?) betet für ihn.)

Oder nach einer anderen Version:

anno dn mccccvii i(pso) die pruficationis beate marie moritur dn. Michel Horn famulus orate pro eo.

(Im Jahre des Herrn 1407 am Tage Mariae Lichtmess (2. Februar?) starb Herr Michel Horn, Knappe, betet für ihn.)

 

Diese Steine zählen zu den ältesten Grabdenkmalen in Vorpommern. Aus dieser Zeit stammt auch der Ranziner Turmhügel, der von einem Wassergraben um geben ist. Reste einer ursprünglichen Bebauung sind nicht mehr feststellbar. Solche Turmhügel dienten besonders den Angehörigen des niederen Adels als Verteidigungswerke, da sie selten über die Mittel zur Errichtung von Burgen verfügten. Oft nutzten mehrere in einem Dorf ansässige Adelsgeschlechter diese als Rückzugsort in kriegerischen Auseinandersetzungen.

Bereits auf den ältesten noch vorhandenen geografischen Karten von Pommern ist Ranzin schon als Ort mit einer Burg bzw. Kirche eingezeichnet. Mindestens seit dem Mittelalter bis zum Bau einer neuen Chaussee im 19. Jahrhundert führte die alte Post- und Landstraße zwischen Greifswald und Anklam über Ranzin. Diese alte Poststraße berührte die Kirchdörfer Ziethen, Schlatkow, Ranzin und Groß-Kiesow. Gerade diese Verbindung der Kirchdörfer durch eine fast durchgehend nord-südlich gerichtete Landstraße lässt Dr. Rubow 1929 vermuten, dass hier in der Poststraße eine ganz alte Wegführung vorhanden ist, die ursprünglich die Klöster Eldena und Stolpe mit dem Übergang über die Peene verbunden hat. Darauf, dass hier ein alter Weg vorliegen müsse, wiese auch die Sicherung durch den damaligen Burgwall bei Oldenburg hin. Ähnliche Sicherungen anderer alter Wege gab es auch durch die Burgwälle bei Wrangelsburg und Grubenhagen.

Das Rittergut Ranzin wird in erster Linie mit der Familie Horn als deren Stammsitz in Verbindung gebracht, die wenigstens seit 1315 hier ansässig ist, wie die Grabplatte des Michael Horn in der Kirche zu Ranzin beweist. Dabei war das Dorf in früheren Jahrhunderten durchaus nicht alleiniges Eigentum dieser Familie. So berichtet die Schwedische Matrikel, dass "zu a1ten Zeiten" in Ranzin sechs Bauern ansässig waren. Durch Belehnung, Pachtung, Verpfändung und Verkauf gehörten Teile des Gutes und einzelne Wirtschaften immer wieder anderen Eigentümern.

Die ersten Eigentümer (vor oder neben den Horns) waren vielleicht die Herren von Rantzyn, Gefolgsleute der Grafen von Gützkow. Am 24. November 1317 erhält ein Siegfried von Rantzyn von Papst Johann XXII. eine Domherrenstelle in Cammin; ein anderer, Konrad, unterzeichnet am 21. April 1320 eine Urkunde des Marienklosters Stralsund. Dann verlieren sich ihre Spuren. Wie auch in anderen Dörfern gab es in Ranzin möglicherweise zwei oder mehrere Adelshöfe mit dazugehörigen Bauernstellen und verschiedenen Beteiligungen. So lassen sich auch später eine Reihe weiterer Eigentümer in Ranzin nachweisen. (...)

Herzog Bogislaw V. bekennt im Jahre 1514, dass Jacob Barfft, Sankt Johanniter Ordensbruder, für sich und den nachgelassenen Sohn seines Bruders Paul folgende Güter an Joachim, Diderich, Borchard und Diderich den Jüngeren, Brüder und Vettern die Horne, zu Gnatzkow (Karlsburg), Gribow, Slatkow und Oldenburg gesessen, für 2060 Rheinische Gulden verkauft hätte, nämlich zu Ranzin den Hof mit 4 Hufen, den des Jacob Barfft verstorbener Bruder Siegmund bewohnt habe...

1527 gestatten die Herzöge Georg und Barnim, dass Kersten Speygelstorpe sein Lehn gut zu Ranzin an Diderick Horn den Jüngeren zu Ranzin für 300 Florin verkaufen dürfe, welchen letzteren sie damit belehnen.

1566 genehmigen die Herzöge Johann Friedrich, Bogislaw, Ernst Ludwig, Barnim und Casimir, dass des Lucas Horn Güter zu Ranzin und Moikow dem Jochim Horn zu Ranzin auf 20 Jahre für 3.500 Florin Münze verpfändet werden dürfen, da dieselben fast mit 11.000 Florin Schulden belastet wären, der Wert aber nach geschehener Abschätzung durch Commissarien dagegen nur auf 5.686 Florin 8 Schilling festgesetzt sei.

1570 bekennen Achim, Valtin, Oswald, Veit, Christoffer, Matthias, Wulff und Otto, Brüder und Vettern die Horne zu Gribow, Petzkow, Slatkow, Ranzin und Jasedow, dass sie wegen der sich auf 10.000 Florin belaufenden Schulden des Michel Horn zu Ranzin dessen Güterzu Ranzin, Jasedow, Moykow, Lüssow, Brissow und Petzkow laut gerichtlicher Abschätzung übernommen und dafür dem Roloff Owstin zu Quilow verpfändet hätten.

In einem Hufenanschlag von Vorpommern im Jahre 1631 kommen auf die Familie Horn in Ranzin nur 9 1/2 Landhufen (4 für Daniel Horn und 5 für Wulf-Heinrich Horn), während die Güter Ranzin und Oldenburg insgesamt 30 Hufen umfassen (MÜLLER 1913). Nach einer anderen Information besitzt Wulf-Heinrich Horn zu diesem Zeitpunkt in Ranzin 9 Landhufen und 5 reduzierte Hufen, Daniel Horn 4 Landhufen und 2 reduzierte Hufen.

 

Ranzin als Rittergut der Familie Horn

 

1642 verkaufen die Brüder Balzer Magnus und Carl Gustav Horn ihre Anteile in Ranzin an Balzer Horn. 1654 wird Balzer Horn alleiniger Herr auf dem Horn'schen Anteil in Ranzin und Oldenburg.

Aus einem Leistungsverzeichnis für Kirche und Pfarre zu Ranzin im Jahre 1667 geht hervor, dass die Familie Horn in Ranzin nur 20 Hufen besitzt, 5 Hufen d Jacob Diterich Schinkel und weitere 5 einem gewissen Garlieb (oder Gabriel ?) zugehören.

Die Schwedische Matrikel aus dem Jahre 1694 weist für Ranzin und Oldenburg nur noch zwei Eigentümer aus, Balzer Horn und die Kanzlerin Wolffradt zu Schmatzin, deren Anteil an einen in Ranzin ansässigen Adligen namens Jacob Diterich Schinkel verpachtet ist. Den Owstinschen Anteil soll Balzer Horn zwischenzeitlich erworben haben. Der genaue Zeitpunkt des Kaufes ist nicht bekannt. Darüber hinaus wirtschaftet in Ranzin ein Pächter, Timotius Smitt, auf Horn'schem Grund und Boden.

Detaillierte Auskünfte über die Verhältnisse auf dem Rittergut Ranzin im Jahre 1694 gibt uns die Schwedische Landesmatrikel (Matrikelband 4, Folge 842).

"Beschreibung vom Adelsgut Rantzin, das im Wolgaster Destrikt gelegen ist und im Monat August des Jahres 1694 geometrisch vermessen wurde.

Rantzin ist ein Adelsgut im Wolgaster Destrikt gelegen, auf halbem Wege zwischen Anklam und Greifswald, war seit alters her ein Hornsches Lehn, aus 4 Hufen Land darin, die seit alten Zeiten ein Owstinsches Lehn waren, die dieser Horn von den Austinen fü 2200 Vorpomm. Gulden gekauft hat.

Dieses Land, das Horn in Ranzin zu eigen besitzt, soll an Ritterland 4 1/2 Hufen sein, wie der Besitzer meint aus alten Lehnsbriefen der Horn vernommen zu haben. Der steuerpflichtige Acker, den er hat, ist nach reduzierten Hufen zu 3 Hufen und 20 Morgen berechnet und wird darunter das steuerpflichtige Land, das bei Oldenburg liegt, - welches auch Horn besitzt - verstanden. (...)

Mit seinen Grenzen berührt Rantzin im Süden Lüssow und Schmatzin, im Osten Schlatkow und Oldenburg, im Norden Turow und West Dambeck, Gribow und Balitz. Eine Kirche mit Turm ist im Dorf. (...)"

 

Balzer Horn hinterlässt nach seinem Tode im Jahre 1696 sieben Söhne, die 1700 die Lehnserneuerung auf Ranzin, Oldenburg und Klotzow erhalten. Im Jahre 1723 erhalten sie bzw. ihre Söhne einen neuen Lehnbrief auf Ranzin und Oldenburg.

In den Jahren 1728 und 1730 erwirbt Matthias Magnus v. Horn durch Vereinbarung mit seinen Brüdern und Vettern deren Anteile an den Gütern Ranzin und Oldenburg und wird damit zum Alleinbesitzer. Um das Jahr 1742 konnte er auch den Wolffiadt'schen Anteil am Gut Ranzin von Karl Gustav v. Wolffradt kurz vor dessen Tod erwerben. Da mit sind die Güter Ranzin und Oldenburg erstmals vollständig im Besitz der Familie Horn.

Aber bereits 1751 sieht sich Matthias Magnus v. Horn gezwungen, die Güter zur Begleichung seiner Schulden zu versteigern. Da sich zunächst kein solventer Käufer findet, werden dieselben mit Einverständnis der Gläubiger verpachtet. Weil die Pacht zur Deckung der Schulden dient und der ehemalige Besitzer mit seiner Familie in sehr dürftigen Verhältnissen lebt, sieht er sich weiter nach einem zahlungskräftigen Käufer um und findet ihn 1756 im Amtmann Peter Adolf Heydemann aus Mecklenburg, der die Güter mit Einwilligung der Gläubiger für 48.500 Thaler Pommersch Courant erwirbt.

Da die Veräußerung ohne die Einwilligung der Erben (Agnaten) erfolgt, verwendet sich bereits im Jahre 1766 einer der Söhne, Bengt Gustav v. Horn, für den Rückkauf der Güter. Diese Forderung wird vom Hofgericht Greifswald abgewiesen, da er "als Sohn seines Vaters dessen facta zu prästieren schuldig sei". Seine Berufung gegen dieses Urteil beim Hohen Tribunal in Wismar ist jedoch erfolgreich, sodass die Güter Ranzin und Oldenburg 1782 wieder im Besitz der Familie v. Horn sind.

Nach dem Tode Bengt Gustav v. Horns im Jahre 1798 gelangen die beiden Güter durch Abtretung und Erbvergleiche in Höhe von 60.900 Talern in Gold in den Besitz des Herzoglich Mecklenburg-Schwerinschen Kammerherrn Christian Leopold v. Horn. Die Unruhen und Lasten der napoleonischen Kriege ab 1807, geringe Kenntnisse von den Fortschritten der Landwirtschaft, Vorliebe zum Aufwand im häuslichen Leben und die schwere Last des bedeutenden Erbvergleiches führen dazu, dass sich Christian Leopold v. Horn im Jahre 1831 genötigt sieht, im Einverständnis mit seinen Söhnen beide Güter auf 20 Jahre an seine Gläubiger abzutreten. Diese verpachten das Gut Ranzin / Oldenburg an Friedrich Christian Melms, Pächter auf Wendisch Baggendorf. Christian Leopold v. Horn verstirbt schon 1833 in Gützkow. (...)

Im Jahre 1845 verkaufen die Söhne des Christian Leopold v. Horn die Güter an den Wolgaster Reeder und Getreidegroßhändler August Wilhelm Homeyer. Am 27. Juni 1846 zieht sich der Pächter Melms auf seinen Besitz Altenpleen zurück und der Käufer übernimmt das Gut. Damit endet die Geschichte der Familie Horn in Ranzin, die hier in 13 Generationen über 500 Jahre ihren Stammsitz hatte.

 

Über die Familie v. Horn

 

Die Horns sind eins der ältesten Ade in Pommern, "welches im Jahr 1189 von den Gebrüdern Herzogen Kasimir und Bogislav I. zuerst nebst anderen adeligen Geschlechtern nach Pommern gezogen worden und daselbst sich niedergelassen". Woher die ersten Mitglieder der Familie Horn ursprünglich kamen, ist nicht eindeutig feststellbar. 1868 schreibt Dr. Heinrich Berghaus in seinem "Pommerschen Landbuch", dass sie vielleicht aus dem Teutoburger Wald (Horn im Fürstentum Lippe) oder auch aus Nordholland aus Hoorn stammen. GESTERDING schrieb 1779 "...Und stammet aus dem uralten Geschlecht deren von Hornen, aus den Lüneburgschen und Braunschweigern, woselbst verschiedene dieses Geschlechtes die ansehnlichsten Bedienungen bekleidet".

Bei ihrer Wanderung in die nordöstlichen slawischen Gebiete im 12. Jahrhundert sollen sie sich zuerst auf der Insel Usedom angesiedelt haben. "Hier besaß ein Ritter, vornamens Tammo die Dörfer Jalendin, Neprimin, Salentin, Stobenow und Poretz, das Kloster Grobe (Pudagla) aber auf dem Festlande das Dorf Szlatekowe, in der Grafschaft Gützkow, das ihm durch Herzog Kasimir zu Theil geworden wat Weil aber dieses Dorf den Mönchen von Kloster Grobe ... seiner Bewirtschaftung zu entlegen war, so schlugen sie ihrem Nachbarn, dem Ritter Tammo einen Tausch vor, auf den derselbe umso lieber einging, als das Klostergut Schlatkow außerordentlich fruchtbar und ertragreich, seine Güter auf Usedom dagegen nur wenig ergiebig waren." Dieser Tauschvertrag wurde im Jahr 1254 in Wolgast geschlossen, u.a. von Tammos Bruder Luchard als Zeuge bekräftigt und von den Herzögen Barnim I. und Wartislaw III. bestätigt. Die Brüder Tammo und Luchard und der ebenfalls als Urkunden-Zeuge aufgeführte Michel sollen Horne gewesen sein, also Vorväter des Hornschen Geschlechts, deren eigentlicher Name in der Urkunde weggelassen wurde, weil der Gebrauch der Geschlechternamen zur damaligen Zeit noch nicht allgemein üblich war.

Als den ersten bekannten gemeinsamen Stammvater der Horns in Pommern sieht Carl Gesterding den ersten der drei in der Ranziner Kirche beigesetzten Horne an. Er glaubt auch, dass Ranzin der ursprüngliche Stammsitz der Horns in Pommern ist. Er schreibt dazu: "Ihr ursprünglicher Stammsitz war das zwischen Anklam und Greifswald belegene Gut Ranzin, und außer dem besaß sie, zum Theil aus späteren Erwerbungen, entweder ganz, oder theilweise, die Güter Oldenburg, Schlatkow, Walendow, Buggow, Züssow, Griebow, Steinfurt, Gnatzkow, Jasedow, Petzkow, Fritzow, Klotzow, Wangelkow, Divitz, Frauendorf u.a.m.."

In Vorpommern verzweigte sich die Familie in mehrere Linien. Sie "hat sich in 3 Branchen vertheilet, als die Rantzin und Oldenburgische, 2 in der Walendowschen und Bugowschen, und 3 in die Frauendorifsche und Divitzsche Linie." Gleicher Name und das Wappen vestätigen jedoch ein gemeinsame Herkunft. Auffälligster Bestandteil des Wappens ist das Horn. 1846 wird im Pommerschen Wappenbuch das Wappen der Grafen, Herren und Freiherren von Horn auf Ranzin so beschrieben: "Im Goldenen Schilde ein schwarzes Jägerhorn am blauen Bande. Auf dem gekrönten Helme zwischen zwei schwarzen Büffelhörnern ein Pfauenwedel, belegt mit der Schildfigur. Helmdecken schwarz, golden, blau und silbern." Das Wappen der Familie Horn ist in der Kirche Ranzin noch mehrfach vorhanden. An der 1685 erbauten Kanzel wurde es allein neun Mal dargestellt. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Horn'sche Wappen in den einzelnen Linien der Familie mehrfach durch das Hinzufügen weiterer Bestandteile verändert und vermehrt.

Ranzin spielte in der Geschichte der Familie Horn eine wesentliche Rolle, doch sind vermutlich alle im Hornsch'schen Herrenhaus vorhandenen Schriftstücke bei Bränden im 19. Jahrhundert vernichtet worden. Belege über die Familie Horn finden sich somit nur noch in Urkunden oder in alten Büchern und Magazinen. Der Wahrheitsgehalt der in Büchern überlieferten Geschichten ist nicht mehr nachprüfbar, doch vielleicht hat sich die folgende Geschichte über einen der von Horne wirklich so zugetragen.

 

Nachricht von demjenigen, was mit des Grafen von Horn beiden Töchtern zu Divitz vorgefallen sein soll

 

Am 15. Juli 1687 reiste Friedrich Wilhelm Leopold von Horn erstmals von seinem Gut Thurow aus nach Wien. 1690 wurde er Außerordentlicher Schwedischer Gesandter am Kaiserlichen Hof in Wien. Ab 1695 als Premier-Minister und Präsident im Dienste des Herzogs Friedrich Wilhelm von Mecklenburg tätig, schickte der ihn 1696 als Mecklenburgischen Gesandten erneut an den Kaiserlichen Hof in Wien. Bei seiner Anwesenheit in Wien machte er mit einer der katholischen Religion streng ergebenen Gräfin, deren Name nicht überliefert wurde, eine genaue Bekanntschaft.

Wahrscheinlich ist sie es gewesen, die ihn "vermocht" hat, zur katholischen Religion überzugehen. Vermutlich aus Gram über die Sinnes- und Glaubensänderung ihres Mannes verstarb seine erste Frau Anna Magdalena 1696. Daraufhin heiratete Friedrich Wilhelm Leopold die katholische Gräfin, die nun Stiefmutter für seine Töchter Sophia Agnesa Margaretha und Maria Magdalena aus seiner ersten Ehe wurde.

F.W.L. von Horn bemühte sich nun sehr, auch seine Töchter, die sich auf seinem Gut Divitz in Pommern befanden, dahin zu bereden, dass auch sie ihre lutherische Religion, gleich ihm als ihrem Vater, mit der katholischen verwechseln mögen. Die Schwestern jedoch wollten dies nicht, waren "standhafte Gemüter" und sind bald darauf plötzlich gestorben, worüber gar bedenkliche Urteile gefällt wurden. "Ich habe von einer gar vornehmen, hochbejahrten Dame, welcher davon einige nähere Nachrichten, die ihr wegen der Nähe des Orts, woselbst dieses 1701 vorgegangen ist, beywohnen, nachfolgende gar merkwürdige Umstände erfahren: Der obgerühmte Herr Nicolaus Lange hat in der Zeit, da er bey dem Grafen von Horne im Amte gestanden, und zwar insonderheit in Divitz, die beiden jungen Gräfinnen nicht nur in den Grundlehren der lutherischen Religion aufs treulichste unterwiesen, und zum rechtschaffenden Wesen in Christo angeführet; sondern er hat sie auch in den Grundsprachen der heiligen Schrift so wohl unterrichtet, dass sie die Wahrheit daraus zu erweisen, und die Irrthümer zu widerlegen, im Stande gewesen sind. Der Vater, der sich alle Mühe gegeben, diese seine beiden Töchter zur Religions-Änderung zu bewegen, hat Catholische Paters ihnen nach Divitz zugeschickt, welche sie zum Abfall bewegen und von der Wahrheit der katholischen Religion überzeugen sollten. Allein da sie wohl aus Gottes Wort, nach dessen Grundsprachen unterwiesen gewesen, haben die Paters nichts bey ihnen ausrichten können; denn sie haben alle deren vermeynte Gründe aus Gottes Wort aufs bündigste widerlegt.

Als nun alle diese Bemühungen vergeblich und fruchtlos gewesen; sind diesen mehrgerühmten Comtessen von ihrer Stiefmutter aus Wien Präsente geschickt worden, nemlich für die eine kostbare Handschuhe; für die andere ein herrliches Bouquet. Von selbigen Präsenten haben sie Gebrauch machen wollen auf einer Hochzeit, so auf einem benachbarten Hofe ihres Vaters gehalten worden; da hat aber das strenge Gift sofort seine Würkung gethan, dass sie weggebracht werden müssen:

Die eine ist gleich gestorben, die andere hat ein paar Tage gelebet." "Es ist also nicht glaublich, dass diese jungen Comtessen, welche etwa im Jahr 1687 und 88 gebohren seyn, und kaum das 14te Jahr müssen erreichet haben, in so kurzer Zeit in der besten Blüthe ihrer Jahre ein Raub des natürlichen Todds sollten geworden seyn. So gegründet diese Comtessen in den Glaubensiehren gewesen, eben ein so gottseliges tugendhaftes Leben haben sie geführet, dass sie von jedermann hochgeschätzet, und ihr betrübter Tod herzlich bedauret worden."

Auf den Karten der Schwedischen Matrikel von 1694 wurden die damals in Ranzin und Oldenburg stehenden Gebäude eingezeichnet. Das Herrenhaus der Familie Horn stand damals auf dem Hofgelände des Gutes Ranzin, vielleicht etwa dort, wo heute das Verwaltungsgebäude oder die Schmiede stehen. Über die Größe und Ausstattung des Herrenhauses ist leider nichts bekannt. In unmittelbarer Nähe des Herrenhauses sind auf den Karten mehrere kleine Häuser, vielleicht Ställe, Wirtschaftsgebäude und Katen ein gezeichnet. Die Windmühle der Horns, die auf den Ranziner Feldern stand, war während des letzten Krieges "aber von den Feinden verbrannt worden". (Bild siehe oben)

 

Titel, Ämter,... derer von Horn

 

Viele der männlichen Familienmitglieder derer von Horn waren entsprechend der zeitlichen Gegebenheiten in pommerschen, mecklenburgischen, schwedischen und preußischen Militärdiensten oder erhielten Ämter an den herrschaftlichen Höfen. Einige Beispiele dafür sind:

 

Pommersche Denkwürdigkeiten

 

Der "Wöchentliche Anzeiger für das Jahr 1817" Nr. 25 vom 21. Juni berichtet über den in schwedischen Diensten stehenden Carl von Horn und König Gustav Adolf von Schweden folgendes:

"Gustav Adolf's Leiche war von Lützen aus nach Wolgast abgeführt, um in der Nähe dieser Stadt auf Stockholm eingeschifft zu werden. Dieser feierliche Leichenzug erfolgte aus der Petrikirche. Ehe die Leiche aufgehoben wurde, versammelte sich das hohe Gefolge zur öffentlichen Andacht um das Trauergerüste. Den Predigtstuhl bestieg Jacob Fabricius oder Schmidt. Schmidt war oft um den großen Gefallenen gewesen, auch über die Leiche Desselben sollte er und von ihm reden. Sie stand vor der Kanzel in einem hölzernen Sarge, den man nach der geendigten Andacht in einen silbernen schob.

Eine viertel Meile vor der Stadt war am Strande eine Brücke geschlagen. Und bis dahin begleitete der hohe Zug die Leiche. Das königliche Leibpferd ritt Carl Horn. Ein königlicher Küraß schmückte ihn und in seiner Hand glänzte das Schwert des Herrn. Die Sage ging, dass die goldene Kette, welche den von vielen bewunderten Harnisch des Freiherrn um gab, zweitausend Dukaten schwer sey. Doch hingen viele Augen an den Pistolen, welche man in den Halfterndes Pferdes erblickte. Gustav Adolf hatte sie mit sich in die Schlacht genommen. Überall zeigten sich die Spuren seines Blutes. Die Halme waren aufgeschlagen.

Als die Leiche bei der Brücke ankam, entstand eine allgemeine tiefe Stille. Endlich unterbrach es Steno Bielke, königlich schwedischer Reichsrat und eine zeitlang Gesandter am Hofe Bogislavs des Vierzehnten. Wer ihn reden hörte, fühlte sich auf das sonderbarste ergriffen und tief bewegt. Der Schmerz dieser Trauer wuchs, als man die ersten Tränen der königlichen Witwe fließen sah, die sich in der Nähe des Reichsrats, umgeben von ihren Hofdamen, aufhielt.

Bielke schwieg, und die Leiche wurde dem Fahrzeuge anvertraut; zwey Salven fielen, als sie in dasselbe niedergelassen wurde, und zugleich wurde alles am Strande aufgepflanzte grobe Geschütz gesetzt."

 

Nach Schweden kam die Familie bereits im späten Mittelalter. Auf Oeland nannte im 14. Jahrhundert ein ausgewanderter Horn seine Güter Groß- und Klein-Horn. In Finnland, wo das Geschlecht der Horns in zwei Linien "zu Ammine" (Horn af Aminne) und "zu Kankas" lebte, gelangte die Familie zu hohem Ansehen. Ein Mitglied der Ranziner Linie wurde 1701 in den Schwedischen Freiherrnstand erhoben. Dabei wurde ihm auch ein Wappen verliehen, in das das Stammwappen, ein schwarzes Jagdhorn an blauem Bande aufgenommen wurde. Der Schwedische Reichsrat Henning Rudolph von Horn, ein Sohn des Balzer aus Ranzin und Oldenburg, wurde 1719 in den Schwedischen Grafenstand erhoben. Den schwedischen genealogischen Einwanderungslisten ist zu entnehmen, dass ein Horn af Rantzien 1720 aus Pommern und ein Horn af Kanckas (Brabant) einwandern. Ohne Jahresangabe ist ein weiterer Horn af Rantzien als Einwanderer registriert.

Die Nachfahren der Ritter von Horn aus Pommern leben heute u.a. in Schweden (Horn af Rantzien) und in Deutschland (von Horn).

1992 besuchten erstmals Gösta Horn af Rantzien und sein Sohn Michael den Ort, in dem ihre Vorfahren viele Jahrhunderte lebten. Im Jahr 2002 trafen sich in Ranzin 16 deutsche und schwedische Nachfahren der Horn's, die sich teilweise noch nie gesehen hatten, um Anna Sophie Charlotte von Horn, die 1733 bei der Geburt ihres siebenten Kindes starb, wieder beizusetzen, deren sterbliche Überreste bei Sanierungsarbeiten in der Kirche Ranzin unter dem Fußboden gefunden wurden. Mit finanzieller Unterstützung ihrer Nachfahren konnte eine Grabplatte an die Stelle der Wiederbeisetzung in der Ranziner Kirche gelegt werden.

 

Zeittafel zur Geschichte von Ranzin und Oldenburg

 

1228 - Ranzin wird erstmals urkundlich erwähnt als villa Randensyn"

 

1249 - Für Ranzin wird erstmals ein Priester urkundlich erwähnt, damit ist auch die Existenz einer Kirche belegt.

 

1315 - Die auf dieses Jahr datierte Grabplatte des Michael Horn in der Ranziner Kirche ist der erste Hinweis auf Ranzin als Sitz dieser Adelsfamilie.

 

1415 - In Ranzin existiert ein Armenhospital St. Georg.

 

1494 - Der Gastwirt Hans Sastrow wird von Ranziner Horns ermordet (Link).

 

1514 - Der Ort Oldenburg wird als Oldenborch erstmals urkundlich erwähnt. Die Horns erwerben in Ranzin den Hof des Siegmund Barfft mit 4 Hufen.

 

1527 - Diderick Horn der Jüngere erwirbt das Lehngut des Kersten Speygelstorp zu Ranzin.

 

1566 - Lucas Horn verpfändet seine Güter zu Ranzin und Moikow zur Begleichung seiner Schulden dem Jochim Horn zu Ranzin auf 20 Jahre.

 

1570 - Das Gut des Michel Horn zu Ranzin wird zur Begleichung seiner Schulden dem Roloff Owstin zu Quilow verpfändet.

 

1654 - Balzer Horn kauft die Anteile seiner Vettern und Brüder und wird damit alleiniger Herr auf dem Horn'schen Besitz in Ranzin und Oldenburg.

 

1675 - Pfarrer Immanuel Herrmanni flieht aus Ranzin, weil die Gegend zu einem Schauplatz des Krieges zwischen Schweden und Brandenburg wird.

 

1694 - Das Rittergut Ranzin wird für die Aufnahme in die Schwedische Landesmatrikel vermessen.

 

1700 - Die Söhne des Balzer Horn erhalten eine Lehnserneuerung auf Ranzin, Oldenburg und Klotzow.

 

1723 - Die Nachkommen des Balzer Horn erhalten einen neuen Lehnbrief auf Ranzin und Oldenburg.

 

1730 - Matthias Magnus v. Horn erwirbt von seinen Brüdern und Vettern deren Anteile an den Gütern Ranzin und Oldenburg.

 

1742 - M Magnus v. Horn erwirbt den Wolffradt'schen Anteil am Gut Ranzin. Damit sind Ranzin und Oldenburg erstmals vollständig in Horn'schem Besitz.

 

1751 - Matthias Magnus v. Horn muss die Güter zur Begleichung seiner Schulden an seine Gläubiger verpachten.

 

1756 - Matthias Magnus v. Horn verkauft die Güter Ranzin und Oldenburg an Peter Adolf Heydemann.

 

1766 - Bengt Gustav v. Horn, einer seiner Söhne, verwendet sich am Hofgericht Greifswald erfolglos für den Rückkauf der Güter.

 

1782 - Nach erfolgreicher Berufung gegen das Urteil des Hofgerichtes Greifswald beim Hohen Tribunal in Wismar gelangen Ranzin und Oldenburg in den Besitz von Bengt Gustav v. Horn,

 

1798 - Nach dem Tode Bengt Gustav v. Horns gelangen Ranzin und Oldenburg in den Besitz des Christian Leopold v. Horn.

 

1807 - Ranzin wird von Napoleonischen Truppen besetzt.

 

1822 - Der Ranziner Pfarrer Wiese legt ein Memorabilienbuch an.

 

1831 - Christian Leopold v. Horn muss die Güter zur Begleichung seiner Schulden für 20 Jahre an seine Gläubiger abtreten, die sie an Friedrich Christian Melms verpachten.

 

1833 - Christian Leopold v. Horn verstirbt in Gützkow.

 

1845 - Der Wolgaster Reeder und Getreidegroßhändler August Wilhelm Homeyer erwirbt die Güter Ranzin und Oldenburg von den Söhnen des Christian Leopold v.Horn.

 

Quelle:

775 Jahre Ranzin - Ein Lesebuch. Gemeinde Ranzin

Jacobs, H.-J., Maier, Heike & Last, Helga (2003)

 

 

Das Gut in Ranzin:

 

Das Verwaltungsgebäude des Gutes ist ein eingeschossiger verputzter Backsteinbau im Stil des Barock. Das ursprüngliche Gutshaus ist bei einem Brand im Jahre 1875 vollständig zerstört worden. Bereits 1877 wurde allerdings der Aufbau des neuen Herrenhauses abgeschlossen, heute von den Bewohner Schloss genannt. Das Schloss wurde nach 1945 als Altenheim genutzt und später zu einem Lehrlingswohnheim und Berufsschule umgebaut, heute wird es als Hotel geführt.

 

 

 

 

Gedicht für Fritz von Homeyer über die Ermordung eines Ranziner Pfarrers durch einen Horn (Link)

 

 

Links:

Schloss Ranzin (Hotel)

Ranzin bei "Gutshäuser.de"

Ferienhäuser in Ranzin

Geschichte der Ranziner Kirche

(c) H. M. von Horn, 2007