Meinem alten Freunde Fritz von Homeyer
In der weiten Pommern-Ebne,
wo die alte Peene fließt,
langsam durch das alte Torf-Moor
liegt das Rittergut Ranzin;
War ein alt von Hornsches Lehen,
und kurz nach dem Dreißig-jährigen
Kriege hauste dort ein Junker,
der natürlich Gustav hieß.
Hat doch Schwedens großer König,
Held und Märtyr Gustav Adolf,
aus der Taufe ihn gehoben,
als er gegen Tilly zog.
Damals schlängelte gemütlich
sich die alte Landstraß
von Stettin, Anklam nach Stralsund
noch durch den Ranziner Busch.
In den Busche jagte täglich
Junker Gustav, -denn die alten
Ehrenfesten Edelleute
hatten sonst nicht viel zu tun.
Eines Abends kehrt er heimwärts,
viel gesehen - nichts geschossen
und den Hund zu nich geprügelt
durch den garten führt sein Weg.
Horch was grunzt dort. Ja, wahrhaftig
durch das Loch im Gartenzaune
ist des Pastors Sau gekrochen
und frißt seinen Blumenkohl.
Donnerwetter! An die Backe
fliegt die Büchse - nimmer irrend
schlägt aufs Blatt die grimme Kugel.
Ach du armes junges Schwein!
Andern Morgens sucht Herr Pastor,
sucht nach seinem Schwein vergebens
bis im herrschaftlichen Garten
er es findet starr und kalt.
Und ein leiser, aber ernster
Fluch entschlüpfet seinen Lippen,
und der milde Seelenhirte,
Rache dürstend unheil sinnt:
da, er hatīs - mit Jochens Hilfe
trägt er still die teure Leiche
in die Kirche, stellt sie aufrecht
in des Junkers Kirchenstuhl.
Der nun findet sie am nächsten
Sonntag, und das schadenfrohe
Lächeln seiner lieben Nachbarn
schmähed seine Frömmigkeit.
Ha, beschimpft ist seine Ehre,
und sein Wappenschild besudelt,
das muss abgewaschen werden
und zum Waschen braucht es Blut!
Nieder sinkt die Nacht, die Dunkle,
Heimlich zu der Leute - Stube
schleicht er - winket Johann Pagels,
seinen alten Schauer - Knecht.
Läßt ihn seinen allergrößten
Bohrer holen aus dem Schauer,
eilt zum Kirchhof - bohret dorten
in die Kirchturmtür ein Loch.
Als dann Sonntags der Herr Pastor,
in dem Altar betend kniet,
trifft ins Herz des Junkers Kugel
durch das Loch - zu wohl gezielt.
(Habe selber noch gesehen,
die Pistole sehr verrostet
und auch in der Kirchentüre
unversehrt das große Loch.)
Dann gab s einen großen Aufruhr
in den Kirchen, in den Schenken
bis es zum Vergleich kam zwischen
Geistlichkeit und Ritterschaften:
Junker Gustav musst drei Sonntag
Buße stehen in der Kirche
ohne Sporen ohne Degen
sehr zerknirscht und reuevoll.
Musste auch für ewge Zeiten
ein Stück Land der Pfarre geben,
linkerhand am Weg nach Gribow,
an der Brücke überm Bach.
Heißt noch jetzt der Sünden-Acker,
(Viel besuchet von Gespenstern)
Und ist so voll großer Steine,
dass es eine Sünde ist.
Diese Mähr ist mir berichtet,
von Fritz Knuth, dem Pastor Kutscher,
als von fünfundfünfzig Jahren,
selbst als muntrer kleiner Knabe,
ich mit meinem besten Bruder,
meinem lieben alten Gustav,
bei dem guten Pastor Wiese
in Ranzin zur Schule ging.
(H. v. W.)