Ausschnitt aus der Lebensgeschichte des Stralsunder Bürgermeisters Bartholomaeus Sastrow. Er schildert die Ermordung seines Großvaters, des Gastwirts Hans Sastrow, durch Ranziner Horns:
Erschreckliche, greuwliche, mordersche, an meinen Grossvatter und Vattern begangene That
Was geschicht? (Merckt an diese greuwliche mordersche That). Anno 1494 ist Kindelbier (Kindstaufe) zu Gribow, (dar auch ein Horne seinen Sitz hat, liegt nicht weit von Rantzin, auf die rechte Handt, als man vom Gripswalde nach Rantzin kehret) zu demselbigen ist mein Grossvatter Hans Satrow, als negster Verwandter, geladen, hat seinen Sohn, meinen Vatter (so dassmall ungeferlich von sieben Jharen) bei der Handt genommen (den es nur ein geringer Kirchweg ist) unnd dahin gegangen.
Die Rantzinsche Horne haben zum Valet (Abschied) unnd Abzuge diese Gelegenheit nicht verseumen, sondern, was sie viel Jahr her im Herzen gehapt, ins Werk richten wollen; sein auch gen Gribow, als wolten sie daselbst iren Vettern besuchen, geritten unnd midteinander, dan sie so othmodig (herablassend) das sie die Baurkost und Gesellschaft nicht vorschmadet (verschmähen) damit sie die bequemste Gelegenheit, das Werk anzugreifen, selbst ersehen mochten, ins Kindelbier gangen, sich mitt an den Tisch, daran mein Grossvatter gesessen, gesetzt.
Als sie nun voll gesoffen, zimblich auf den Nachmittag, sein die Horne semptlich auffgestanden, ires Bierganges (um auszutreten) in den Stall gegangen, vormeinend, sie weren alleine. Es ist aber einer meines Grossvattern Vorwandter auch im Stalle in einer Hornen (Ecke) gestanden, der angehoret, das sie sich hetten entschlossen, sie wolten, wen sie vormerckten, das mein Grossvatter auf sein wollte, eilig auf ire Pferde fallen, das sie unterwegen ime begegnen könnten, alsdan ine, auch sei Sönlein, zu Tode schlan wollten.
Der kumpt zu meinem Grossvatter unnd sagt ime, was er im Stalle gehöret hette, und rath ime, des er bey Tage sich aufmachen unnd anheimisch gon solte; dem auch mein Grossvatter gefolgt, auffgestanden, seinīn Sohn, meinen Vatter, bey der Handt genommen unnd nach Rantzin gegangen. Als er aber in das Holtzlein im More mit Kuschbusch (Gebüsch) unnd Stuveten (Stauden) bewachsen (so auf halben Wege zwischen Rantzin und Gribow) kommen, haben die morderschen Böswichterime ein Vörlach gethan (ihm den Weg verlegt) ine mit den Pferden zu Boden zerpfeddet (ihn zu Boden geritten) den leib voll Wunden gehauwen, das sie anders nicht gemeinet, er were todt; seint aber daran noch nicht ersettigt gewesen, sondern haben ine an einen grossen Stein (so er forne an dem More licht) geschlept, unnd auf dem Steine ime die rechte Faust abgehauwen, unnd also fur todt liegen lassen. Der Junge, mein Vatter, aber ist mitlerweile ins Mohr gekrochen, sich in den Strucken auf ein Bulte vorsteckt, das sie nicht zu ime mit den Pferden kommen, auch, da es anfing, finster zu werden, ine in den Buschen nicht finden können.
Die andern Bauren seindt nachgeritten, zu sehen, wie sie es gemacht; haben den Verwundeten so zugerichtet befunden, den Jungen aus dem More geholt. Einer unter inen ist nach Rantzin gerönt, balt Wagen und Pferde geholet, den Verwundeten darauf geleget, an dem kein Lebendt mehr gespuret, dan das er, als sie midt im zu Rantzin kommen, noch einmal aufgejapt (nach Luft gechnappt) unnd vorscheiten (verschieden) ist.