zurück zu "Orte" (back to "places")
zurück zu "Horn auf Ranzin" (back to "Horn auf Ranzin")

 

Schlatkow

Vorpommern

 

Aus der Chronik des Ortes Schlatkow:

...

Im 12. Jh. besaß auf der Insel Usedom ein Ritter Vornamens Tammo die Dörfer Jalendin, Neprimin, Salentin, Stobenow und Paretz, das Kloster Grobe aber auf dem Festland das Dorf Slatekowe in der Grafschaft Gützkow, das ihm durch Herzog Kasimir zuteil geworden war. Weil aber dieses Dorf den Mönchen von Grobe wegen seiner Bewirtschaftung zu entlegen war, so schlugen sie ihrem Nachbarn, dem Ritter Tammo, einen Tausch vor, auf den derselbe umso lieber einging als das Klostergut Schlatkow außerordentlich fruchtbar und ertragreich, seine Güter auf Usedom dagegen nur wenig ergiebig waren. Dieser Tauschvertrag, der außer mehreren anderen Zeugen auch von Tammos Bruder, Luchard mit Namen, bekräftigt wurde, wurde zu Wolgast im Jahre

 

1254 geschlossen und von den Herzögen Barnim I. und Wartislaw III. bestätigt, die darauf den neuen Besitzer von Schlatkow mit diesem Gute belehnten.

Die Geschichtsforscher gehen davon aus, daß die beiden Brüder Tammo und Luchard, denen man vielleicht auch den Urkunden-Zeugen Michel hinzufügen darf, Horne gewesen seien, also Vorväter des Hornschen Geschlechtes, deren eigentlicher Name in der Urkunde weggeblieben, weil der Gebrauch der Geschlechtsnamen zur damaligen Zeit noch nicht allgemein üblich war.

Der Stammsitz der einst angesehenen und reich begüterten Familie der Horne waren die zusammengehörigen Güter Ranzin und Oldenburg, soweit sich zurückdenken läßt. Zu ihren Besitzungen gehörten aber auch Züssow, Gribow, Gnatzkow (Karlsburo), Steinfurt, Jasedow, Petzkow, Walendow, Buggow, Fritzow, Klotzow, Wanqelkow, Diwitz, Frauendorf, Ludwigsburg sowie Schlatkow u.a.m. (...)

 

1327 steht urkundlich fest, daß Slatekow den Grafen Johannes u. Henning von Gützkow als Pommersches Lehn gehörte. Wann die Familie "von Horn" mit Gewißheit in den Besitz von Schlatkow gelangte, läßt sich wohl nicht mehr ermitteln. Die Geschichtsforscher sehen Schlatkow in den ersten Jahrhunderten stets als ein Besitztum der Hornschen Familie an, von der

 

1391 Claus Horn daselbst genannt wird.

 

1445 ist von Schlatkow - südöstlich von Greifswald - ein Rentenverkauf des Burchard Horn aus seinem Wohnhofe an das Kloster nachgewiesen.

 

1601 wird auf Schlatkow wieder ein Burkhard Horn genannt. Von diesem wird im Anklamer Heimatkalender des Jahres 1906 über "Die Erbhuldigung des Herzogs Philipp Julius in Anklam 1601" folgendes erzählt:

Der auf Schlatkow angesessene Gutsherr Burkhard Horn begleitete den jungen, 17jährigen Wolgaster Herzog auf seiner Huldigungsreise, die im Spätherbst des Jahres 1601. durchgeführt wurde. Sie führte über Greifenhagen (vom 3. - 5. Okt.), Pasewalk (vom 6. - 9.), Ueckermünde (vom 10. - 11.), Anklam (vom 12. - 14.), Treptow (vom 15.- 16.), Demmin (vom 17. - 19.), Triebsees (am 20.), Greifswald (am 24.) und Stralsund am 28. Oktober. Von dort kehrte er am 1. Nov. nach Wolgast zurück, wo dann am 3. Nov. außer Wolgast selbst noch Usedom und Lassan huldigten.

Nach der damaligen Anschauung war die rechtliche Stellung eines neuen Herrschers erst dann völlig anerkannt und gesichert, wenn alle seine Untertanen ihm den Eid der Treue geleistet, sich mit ihm, wie man sagte, "durch Eidespflicht verwandt gemacht" hatten, wie umgekehrt die Lehen der Ritterschaft, die Privilegien der Städte nur durch die Unterschrift und die Versiegelung durch den neuen Herrn ihre volle Gültigkeit erhielten.

Während in anderen Landesteilen der Landesfürst nicht mehr persönlich den Schwur seiner getreuen Landeskinder entgegennahm, hielt man sich in Pommern ängstlich und schwerfällig an die seit Jahrhunderten geübten Formen. Jede Abweichung vom Alten rief sofort einen energischen Protest hervor.

Als der fürstliche Sekretarius den üblichen Bestätigungsbrief ins Hochdeutsche umsetzen wollte, erhob der Rat in Stralsund entschiedenen Widerspruch: "Plattdeutsch sei die Muttersprache der Pommern und der wolle man sich nicht schämen." Die Huldigungsfeier blieb also eine Haupt- und Staatsaktion.

Umgeben von seinem ganzen Hofstaat, mit allen Prinzen und Prinzessinnen, fürstlichen Gästen, Vertretern der Verwandten und benachbarten Häuser, mit der ganzen Schar der Beamten und Dienerschaft, verstärkt durch den in jedem Bezirke zum Empfang der Lehen und zur Aufwartung aufgebotenen Landadel, wälzte sich der ungeheure Troß langsam und, fast möchte man sagen, verheerend durch das Land. Selten unter 400, meist über 700 bis 1400 Pferde stark, wurde diese Einquartierung meistens als arge Last empfunden.

Als fürstlicher Kanzler führte der Schlatkower Burkhard Horn viele erforderliche Verhandlungen, begrüßte als Erster am 12. Oktober den Rat und die Bürgerschaft von Anklam vor dem Steintore und kündigte das baldige Eintreffen des jungen Herzogs mit seinem großen Hofe an.

Die Festlichkeiten in den Mauern der Stadt Anklam dauerten drei Tage. In Anklam zählte man 446 Pferde. Schon daran läßt sich einschätzen, wie groß Lasten und Ausgaben für Städte und deren Bürger waren, die Nahrungsmittel, Fleisch, Brot, Fisch, Wein und Bier für die vielen Menschen, die den Herzog begleiteten, heranschaffen mußten. Für die Pferde waren während der 3 Tage in Anklam allein 544 Scheffel Hafer erforderlich.

Durch Vermittlung des fürstlichen Kanzlers von Horn konnten sich die Anklamer - weil nicht genügend Fleisch vorhanden war - einige Stücke Wild von Ueckermünde holen, die der Herzog einige Tage vorher auf der Jagd selbst erlegt hatte. Alle Fischer rund um Anklam mußten schon vorher große Mengen Fisch fangen und diese für die großen Gelage bereithalten. Auch zum Fischen im Lassanschen Wasser erhielten sie die Erlaubnis, um Stör, frische Lachse und Neunaugen heranzuschaffen.

 

Über die Eigentumsverhältnisse der Familie "von Horn" heißt es im Pommerschen Landbuch des Dr. H. Berghaus:

Burchard Horn, fürstlicher Kanzler und Amtshauptmann zu Klempenow, besaß Schlatkow - mit Ausnahme eines Anteils, der zu Schmatzin gehörte - ungeteilt. Er starb

 

1623 mit Hinterlassung von vier Söhnen, die das väterliche Gut anfangs gemeinschaftlich, doch in gesonderten Teilen, besaßen. Zwei von ihnen, in schwedischen Kriegsdiensten stehend, blieben unbeweibt; auch der Dritte, David, fürstlicher Wolqast´scher Hofrath, scheint nicht verheiratet gewesen zu sein. Der letzte der Brüder, Philipp mit Vornamen, erst fürstlicher Wolgast Kanzler, dann zur Schwedenzeit Oberkommandant und Präsident der Regierung zu Stralsund und zuletzt Brandenburgischer Geheimrat und Statthalter in Hinterpommern, überließ seinen Anteil in Schlatkow, auf eines

 

1627 errichteten Vergleichs den Brüdern Rickmann und E.-Philipp v. d. Lanken und deren Schwester wegen ihres Großvaters und seiner Vaterbrüder Erbschaft. Ein anderer Anteil blieb aber im Besitz des Geheimrates Philipp und vererbte auf dessen Sohn Bogislaw Burchard Horn, der im Jahre 1684 starb.

 

1684 Mit dem Tode des B. Horn hören die Nachrichten über den Besitz des Hornschen Geschlechts in Schlatkow auf, der mithin ungefähr dreieinhalb Jahrhunderte gedauert hat.

Ein volles Jahrhundert vergeht, bevor über die Besitzverhältnisse von Schlatkow wieder etwas bekannt ist. In den letzten Jahren des 1800. Jahrhunderts war Julius Heinrich v. Kreplin Besitzer des Gutes. Das "Deutsche Adelslexikon" nennt ihn Julius Friedrich von Kreplin und Herr auf Schlatkow in Schwed.- Pommern. Reichs-Adelsstand mit Diplom von 1786.

 

 

Links:

Gemeinde Schmatzin / Schlatkow

Schlatkow bei "Gutshäuser.de"

Schlatkow im Amt Ziehten

Über die Kirche in Schlatkow

Schlatkow 2007 e. V.

Kirche Schlatkow bei "dorfkirchen.de"

(c) H. M. von Horn, 2006